"...und da steht sie noch" von Pfarrer Stefan Ruf

Das hat man in den letzten Monaten oft von den Biberachern gehört. Wann wird sie endlich repariert, die größte und bekannteste Uhr unserer Stadt?

Als hätte sie es geahnt, was auf uns alle zukommen wird: Eine Zeit, die still steht!!!

Alles ist in den letzten Tagen zum Stillstand gekommen durch den Ausbruch des Corona Virus. Ein Virus hält die Welt in seinem Bann!!

Diese Erfahrung einer „stillstehenden“ Zeit beunruhigt. Wir sind es doch gewohnt von einem Termin zum anderen zu hetzen, die Zeit drängt und für vieles haben wir gar keine Zeit mehr!! Und jetzt holt sie uns ein, die Erfahrung ZEIT zu HABEN!!

Mit dieser Zeit müssen wir lernen umzugehen und sie auch jetzt sinnvoll nützen. Diese ruhige Zeit führt uns auch zu uns selber zurück. Wir müssen uns jetzt lernen selber auszuhalten.

Aber wir tun es nicht allein: Gott der Herr über Leben und Zeit ist bei uns. Er geht mit und durch diese schwere Krise hindurch. Er zeigt uns von neuem, was es heißt in der Zeit zu leben.

Diese Zeit können wir gestalten in unserer Familie zu Hause, im Gespräch am Telefon mit einem lieben Freund oder einer guten Freundin, mit Menschen, die uns besonders nahestehen. Auch das Schreiben eines Briefes erfährt in diesen Tagen eine Renaissance. Nicht nur WhatsApp oder Mails lassen uns untereinander kommunizieren, sondern auch das aneinander denken.

Viele von uns verbinden sich auch im täglichen Gebet. Am Sonntag habe ich für uns alle die Eucharistie gefeiert und wieder gespürt, wie der Glaube und die Gebetsgemeinschaft uns verbindet. Dies war die Erfahrungen einer heilenden und ermutigenden Zeit am Sonntag!

Wir denken in dieser Woche aber auch an all jene, die uns ihre Zeit schenken in der Pflege und in der Behandlung der Kranken. Wird denken an alle, die für die Grundversorgung der Menschen einen enormen Einsatz bringen. Wir denken an alle, die Verantwortung tragen in unserem Land und schwerwiegende Entscheidungen treffen müssen. Wir denken an uns, die wir verantwortungsvoll miteinander umgehen werden, damit wir der Zeit nach dem Corona Virus zuversichtlich entgegengehen dürfen.

Damit wir alle die Zeit gut verbringen können, soll uns folgender Impuls Mut machen für die Zeit, die vor uns liegt:

Halte inne,
inmitten vieler Fragen,
inmitten vieler Sorgen,
inmitten vieler Ängste,
inmitten deines Lebens –
jeden Tag aufs Neue.

Denn das Wort, das dir Mut macht,
kannst du dir nicht selbst sagen.
Denn die Hoffnung, die dich trägt,
kannst du dir nicht selbst geben.
Denn die Liebe, die dich beflügelt,
muss erst in dir geweckt werden.

Halte inne,
damit all dies geschehen kann.

Ich wünsche Ihnen allen eine hoffnungsvolle Zeit!

Ihr Pfarrer Stefan Ruf